Ein Wiki für Schule und Unterricht – Mediawiki gegen Spam und Bots absichern

Jede/r kennt die Wikipedia, in der Schule wird sie sowohl von LehrerInnen als auch von SchülerInnen als Informationsquelle genutzt. Häufig ist aber nicht klar, was ein ‘Wiki‘ wirklich ist, nämlich eine wunderbare und intelligente Möglichkeit, gemeinsam Inhalte zu erstellen und zu bearbeiten:

Dabei geht es nicht nur um lexikalisches Wissen wie in der Wikipedia, sondern man kann im Unterricht…

  • …eine Versuchs- und Herstellungsdokumentation (z.B. im Werk-/Technikunterricht) erstellen
  • …gemeinsam einen Roman mit verschiedenen Kapiteln schreiben
  • …ein Handbuch für die Bedienung eines Computerprogramms verfassen
  • …die eigene Schule mit ihren vielen verschiedenen Aspekten beschreiben (“Wo finde ich wen oder was in unserer Schule?
  • und viele weitere Dinge realisieren…

Zentraler Punkt ist dabei, dass die SchülerInnen statt Konsumieren das eigene Erstellen und Gestalten erlernen: Das Internet bietet nicht nur eine riesige Menge an Inhalten, sondern man kann selbst etwas anbieten. Die Arbeit mit der Wikipedia bzw. mit einem eigenen Wiki wurde in meinem Blog hier beschrieben.

Keine leichte Beute für Vandalismus

Im Blogbeitrag wurde darauf hingewiesen, dass ein eigenes Wiki eine großartige Sache ist, allerdings wird durch die voreingestellte Offenheit (quasi jeder kann sich anmelden) leicht zur Beute von Spammern, Bots und Vandalismus. Der Screenshot zeigt ein gut gemeintes, aber völlig verwüstetes Wiki des Hard- und Softwarehersteller QNAP:

vasted_wiki

Um das zu verhindern, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ich möchte hier diejenigen ansprechen, die die Software Mediawiki (die Software der großen Wikipedia) bereits installiert haben und absichern wollen – eine Installation bekommt man heute mit einem Webhosting-Paket häufig als ‘Ein-Klick-Installation’ (Sponsor-Link) dazu. Mit einem FTP-Programm wie FileZilla, einem mächtigen Werkzeug für Plattformen wie Linux, Apple und Windows, stellt man eine Verbindung zum Server her. Anleitungen für die nötigen Einstellungen stellen die Webhoster ebenfalls häufig bereit.

Die folgenden Schritte sind nicht schwierig. Um sie aber  durchzuführen, sollte man zumindest Grundkenntnisse über Up- und Download, Verzeichnisse und Dateiendungen haben und einen Text-Editor bedienen können.

Im Hauptordner der Mediawiki-Installation findet sich die ‘Schaltzentrale’ des Mediawikis, die Datei LocalSettings.php.

Keine offene Anmeldung neuer Nutzer

Die TeilnehmerInnen an dem Wikiprojekt müssen sich mit einem Passwort registrieren. Die Angabe einer Mailadresse ist freiwillig, allerdings ist es bei der Arbeit mit SchülerInnen sinnvoll, diese mit angeben zu lassen – zu leicht ist ein Passwort vergessen.

Nachdem alle BenutzerInnen registriert sind, sperrt man das Wiki für die ‘offene’ Neuanmeldung mit folgender Änderung in der localsettings.php:

# Prevent new user registrations except by sysops
$wgGroupPermissions['*']['createaccount'] = true;

setzt man auf

# Prevent new user registrations except by sysops
$wgGroupPermissions['*']['createaccount'] = false;

 Wer nicht fragt, bekommt Probleme

Eine weitere Absicherung (die man bei gesperrter Neuregistrierung nicht unbedingt benötigt) ist der Einbau eines sog. Captchas. Das sind – häufig nervende – kleine Hürden, die verhindern sollen, dass Bots ein Wiki oder eine Webseite kapern und große Probleme bei der Vandalismusbewältigung schaffen.

Captchas existieren in den unterschiedlichsten Varianten: Von der Bildererkennung über Muster bis hin zu Rechenaufgaben, alles  diese Hürden sind für Menschen einfach, für Bots nur schwer zu nehmen. Eine Bewertung der Sicherheit von Captchas findet man hier.

QuestyCaptcha für die Schule

Eine nette Variante für die Software Mediawiki, die zudem sehr sicher ist, sind QuestyCaptchas. Das sind intelligente über blöde bis sinnfreie Fragen, die bei Bearbeitungen abgefragt werden.

Dazu installiert man die Erweiterung ConfirmEdit (die englische Anleitung hier) mit dem Plugin QuestyCaptcha (die englische Anleitung hier). Damit können Neuanmeldungen und auch die Veröffentlichung  externer Links reglementiert werden.

Die Fragen mit den SchülerInnen entwickeln!

Der Clou ist, dass man gemeinsam mit SchülerInnen Fragen entwickeln kann, wie z.B.:

Wieviel ist zwanzig minus neunzehn (in Worten), Antwort: eins

oder

In welchem Ort steht unsere Schule?, Antwort: [der Schulstandort]

oder

Spambots sind unglaublich dumme Programme. Wie nennt man unglaublich dumme Spamprogramme? Antwort: Spambots

Die Fragen werden in der localsettings.php in der folgenden Form hinterlegt:

require_once( "$IP/extensions/ConfirmEdit/ConfirmEdit.php" );
 require_once( "$IP/extensions/ConfirmEdit/QuestyCaptcha.php");
 $wgCaptchaClass = 'QuestyCaptcha';
 $arr = array (
         "Wieviel ist zwanzig minus neunzehn (in Worten)?" => "eins",
         "In welchem Ort steht unsere Schule?" => "Entenhausen",
         "Spambots sind unglaublich dumme Programme. Wie nennt man unglaublich dumme Spamprogramme?" => "Spambots",
 );
 foreach ( $arr as $key => $value ) {
         $wgCaptchaQuestions[] = array( 'question' => $key, 'answer' => $value );
 }

Als Fan von Gemeinschaftsprojekten würde ich gerne die von den SchülerInnen erstellten und teilweise wirklich lustigen Fragen hier veröffentlichen. Dieses Vorhaben wäre aber kontraproduktiv, weil dumme Spambots von dummen Menschen programmiert werden. Hat man Fragen und Antworten, kann man diese automatisiert umgehen.

Viel Spaß bei der, jetzt sichereren, Wiki-Arbeit!

Wie haben Sie Ihr Wiki abgesichert? Antworten gerne über die Kommentar-Funktion!

Alles ist eine Datei – das Dateisystem unter Linux

Im November 2013 wurde die Marke von zwei Millionen verkauften Raspberry Pi geknackt. Die kleinen Maschinen animieren in vielfältiger Weise zum Basteln und sind deswegen gut für den Unterricht geeignet. Für viele Lehrende und SchülerInnen ist es häufig die erste Bekanntschaft mit einem Linux-System und erfahrungsgemäß erscheint hier eines der ersten großen Fragezeichen beim Dateisystem: “Wo ist denn hier C:\ ?!” Kurze Antwort: Das gibt es auf einem Raspi (und auf anderen Geräten) mit einem Linux-Betriebssystem so nicht.

Übersichtlichkeit des Dateisystems

Zunächst wirkt das Linux-Verzeichnis- oder Dateisystem fast chaotisch, weil die Verzeichnisnamen nicht mit C, D, E usw.  hübsch durchnummeriert erscheinen. Hat man aber die Hürde genommen und verstanden, dass das Dateisystem mit dem Wurzelverzeichnis ‘/’ beginnt, wird es sogar viel übersichtlicher als eine Verzeichnisstruktur unter Windows, bei dem naturgemäß ‘ein paar Sachen’ schlichtweg verborgen sind. Um das nachzuvollziehen, kann man auf einem Windows-System einmal nach dem ‘Persönlichen Verzeichnis‘ unter C: und Dateien von Anwendungsprogrammen  suchen.

Alles ist eine Datei

Einsteiger können den nun folgenden Absatz fröhlich überlesen! Wenn man sich an die Verzeichnisstruktur gewöhnt hat, bietet ein Linux-System eine weitere interessante Eigenschaft: Fast alles ist eine Datei! Dieses Prinzip realisiert, dass “… eine große Bandbreite an Ein-/Ausgabe-Ressourcen wie Dokumente, Verzeichnisse, Festplatten, Modems, Tastaturen, Drucker und sogar Interprozess- und Netzwerkverbindungen als einfache Byteströme via Dateisystem verfügbar sind.” (Quelle: Wikipedia)

Ziemlich charmant erklärt das Nixie Pixel auf ihrem Youtube-Kanal:

Die wichtigsten Verzeichnisse

Als kleine Übersicht und Orientierung für EinsteigerInnen soll die folgende Aufstellung dienen (hier zum Download als PDF, als bearbeitbares ODT-Dokument und als Bild). Mit den meisten Systemverzeichnissen hat man im Regelfall eher weniger zu tun, die wichtigsten sind farblich markiert.

Linux_Verzeichnisstruktur_DateisystemWünschenswert ist noch eine graphische Darstellung des Verzeichnisbaums. Interessanterweise wird der Linux-Verzeichnisbaum in den meisten Fällen der Hierarchie entsprechend von oben nach unten dargestellt, ein Baum wächst aber von unten nach oben, und ein Wurzelverzeichnis (‘root‘) sucht man auch eher unten.

Reine Spitzfindigkeit oder würden SchülerInnen das vielleicht sogar besser verstehen?

Das Linux-Verzeichnissystem (Unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation unter http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/c/cf/Filesystem.gif veröffentlicht.)

Das Dateisystem im Unterricht?

Es erscheint nicht zielführend, das Linux-Dateisystem als solches im Unterricht zu erarbeiten, dazu ist es als Inhalt genau wie andere Dateisysteme zu speziell und geht meiner Einschätzung nach am Ziel des Erwerbs von allgemeiner Medienkompetenz vorbei. Platz dafür wäre aber möglicherweise in einem Wahlpflichtkurs in der Sekundarstufe oder einem Leistungskurs Informatik in der Sekundarstufe II. Ein gutes, frei nutzbares Buch zu diesem Thema ist unter den Wikibooks: Linux-Kompendium zu finden.

Thematisieren Sie bei der Arbeit mit einem Raspi im Unterricht das Dateisystem? Gibt es überhaupt Fragen dazu? Ist die Aufstellung hilfreich, fehlerfrei oder zu verbessern?

Nerds mit der Bohrmaschine

Echte Computernerds brauchen wahrscheinlich recht selten eine Bohrmaschine. Im Werk- und Technikunterricht an einer niedersächsischen Oberschule werden aber Computer und Bohrmaschinen benutzt. Im Mittelpunkt dieses Artikels steht damit mal nicht die tausendste Antwort auf die Frage, wie man bei LibreOffice den Hintergrund einer Tabellenzelle einfärbt oder die gut gemeinte Autokorrektur komplett abschaltet ;-), sondern was man Attraktives mit der Software anstellen kann. Und hier geht es um  Hinweise zur Benutzung von Hardware, und zwar richtiger Hardware. Mit der Mädels und Jungs Löcher – Bohrungen ! –  in jedes erdenkliche Material bekommen, Stein mal ausgenommen. Es lebe die Standbohrmaschine!

StaBoMa

Zum Download stehen hier im Sinne von Open Educational Resources didaktisch aufbereitete Karten, die mit dem leistungsstarken, kostenlosen und freien Officepaket LibreOffice erstellt wurden. Sie stellen kleinschrittig dar, wie die Bohrtiefe eingestellt wird. Sie machen sich als laminierte Karten ziemlich gut, um die einzelnen Schritte zu erarbeiten und dann neben einer Maschine angebracht zu werden.
Global Open Educational Resources Logo
Der Download ist wegen der relativ hohen Bildauflösung aufgeteilt.

Die Dateien stehen unter der Lizenz Creative Commons Lizenzvertrag: Damit ist dieses Werk lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

Folien 1-4 als PDF und als Quelldatei (ODF Präsentation)

Folien 5-8 als PDF und als Quelldatei (ODF Präsentation)

Im nächsten Artikel geht es mit einiger Sicherheit wieder um den Stand der Dinge beim Raspberry Pi-Projekt. Vielleicht teilen Sie bis dahin ja mal Ihre Erfahrungen mit freien Bildungsmedien (Open Eductional Resources), nutzen Sie die Kommentarfunktion!

Der Raspberry Pi in der Schule – Sein langer Weg in den Unterricht

Dies ist der zweite Artikel über den Raspi in der Schule – Schulen sind große Systeme und sie bewegen sich nur langsam – interne 8-Bit-Verarbeitung sozusagen. Schön und interessant ist es aber, dass überhaupt Raum für Unterrichtsprojekte wie mit dem Raspberry Pi vorhanden ist.

Präsentation auf der Fachkonferenz

Vor dem Kauf einer Anzahl von Raspis musste zunächst die Fachkonferenz überzeugt werden. Die Präsentation (zum Download hier als PDF und als ODP) schildert für den Raspberry Pi sehr kurz dessen Eigenschaften, einen historischen Mini-Abriss und  zunächst die allgemeinen Möglichkeiten in der Schule.

Präsentation Raspberry Pi - BlogfolieDie Präsentation auf der Fachkonferenz

Unser Raspi-Bündel

Beim Kauf haben wir uns für einen kleinen Anbieter entschieden, der ein Paket geschnürt hat aus dem Raspberry PI (Model B aus UK), einer 8-GB-SD-Karte, einem Netzteil mit 1,2 A, einem HDMI-Kabel und einem DVI-HDMI-Adapter. Sowohl von LehrerInnen als auch von SchülerInnen wurden direkt Geräte für den Privatbedarf mitgeordert ;-)! Als Schule kann man mit etwas Glück gebrauchte Bildschirme fast umsonst bekommen, allerdings ist bei älteren Geräten auf dem Second-Hand-Markt HDMI noch selten verbaut, DVI schon eher der Standard, deswegen die Entscheidung für den Adapter. USB-Mäuse und Tastaturen gibt es in der Regel genügend. Wer Geld für eine schicke Lösung übrig hat, kann gut in die kabellose Tastatur Logitech K400r investieren, die hervorragend unterstützt wird und Out-Of-The-Box funkt(ioniert).

Enttäuschung und Freude beim Auspacken

Wer einen Raspi sein eigen nennt, war (möglicherweise) entzückt über die rosa Kunststoff-Verpackung. Unsere Platinen wurden umweltfreundlich mit einer Pappschachtel versandt – immerhin eine didaktisch wertvolle Aufforderung, ein eigenes Gehäuse zu entwickeln und zu fertigen. Dagegen ist die mitgelieferte SD-Karte mit aufgedruckter Himbeere großartig: Neben dem Raspbian-Haus-und-Hof-Linux befinden sich darauf weitere Distributionen, die über das Bootmenü auszuwählen sind. Unter anderem das schwer jugendfreundliche RaspBMC ;-)! Das Booten dauert je nach Distribution unterschiedlich lange, aber im Prinzip sind die Geräte mit den Images auf den Karten sofort einsatzbereit.

Randüberlegungen

Die Schule kann nur in sehr begrenztem Umfang Verantwortung für schülereigene Geräte übernehmen. Deswegen ist mit den SchülerInnen der Lerngruppe abgesprochen, dass sie sehr gerne SD-Karten präparieren und mitbringen können, ihre Privatgeräte aber zu Hause und die schuleigenen Geräte in der Schule verbleiben.

Im nächsten Artikel geht es dann endlich ans Eingemachte – Stichwort: Schutzschaltung zum sorgenfreien Basteln (Eigene Erfahrungen wie immer erwünscht!)

Sind Ihre Raspis schon geliefert und die GPIO verbunden?

Lust auf Himbeer-Kuchen? – Der Raspberry Pi in der Schule

Für die 10. Klasse eines Wahlpflichtkurses im Profil Technik an der niedersächsischen Realschule ist das Themenfeld ‘Information und Kommunikation – Technische Systeme des Informationsumsatzes’ vorgesehen. Was liegt näher, als ein Projekt mit dem kostengünstigen Raspberry Pi durchzuführen? In loser Folge soll hier der Projektverlauf geschildert werden.
Raspberry Pi Photo

 

‘Programmieren statt programmiert werden’

Digitaltechnik ist aus der Umwelt des Menschen nicht mehr wegzudenken. Die Leistungsfähigkeit nimmt von Gerätegeneration zu Gerätegeneration immer noch drastisch zu, gleichzeitig kann fast nicht mehr unterschieden werden zwischen dem ‘klassischen’ Computer und einem ‘Handy’: Smartphones werben inzwischen auch mit Prozessortaktung, Arbeits- und Massenspeicher. Diese kleinen, großartigen Geräte haben aus schulischer Sicht einen entscheidenden Nachteil: Die Einzelelemente der Systeme (Eingabe-, Rechner- und Grafikeinheit usw.) sind so integriert und miteinander verwoben, dass es schwerfällt, sie zum Verständnis der Technik didaktisch zu reduzieren (“Schauen wir mal, was da drinsteckt…”). Zum anderen ist es für die – uns – NormalanwenderInnen sehr viel einfacher, ein Programm/eine App herunterzuladen, einen Menüpunkt  ‘Installieren’ zu wählen und bei Nichtgefallen dasselbe noch einmal für ein anderes Programm durchzuführen, als ein Programm unseren Bedürfnissen anzupassen. Norbert Bolz spitzt  in einem Interview den Blick in die Zukunft auf die Formel zu: “Programmieren oder programmiert werden.” Etwas weniger drastisch darf man als LehrerIn sagen, dass es absolut wünschenswert ist, Kindern und Jugendlichen den Umgang mit und das Verständnis für digitale Elektronik zu vermitteln. Der Raspi erscheint  mit seiner Offenheit, der guten Dokumentation und – ganz wichtig – der lebendigen Community ideal für diese Lernziele.

Kaffee nach Klick?

Folgende Unterrichtsinhalte sind geplant:

  • Wiederholung der Grundlagen der Elektrotechnik (Spannung, Strom, Stromkreis)
  • Elektrische und elektronische Bauteile (mit besonderem Schwerpunkt auf den Transistor)
  • Grundlagen der Nutzung einer Programmierumgebung, Einführung in Python
  • Realisierung einer Schaltung, bei der der Raspi als Steuerzentrale dient und
  • wenn es wirklich klappen sollte: Erstellen einer grafischen Anwenderoberfläche (GUI) für das Steuerprogramm

Aufhänger für die Unterrichtseinheit – das ist das, was der Lehrer sich unter diesem Projekt vorstellt…: Eine Kaffeepad-Maschine, die mit defekter Elektronik in Einzelteilen in einem Karton herumliegt. Das Ziel: Kaffee nach Programmstart ;-). Didaktische Vorteile dabei: Sowohl In- als auch Output sind zu verarbeiten, außerdem kann der Raspi direkt nur geringe Ströme schalten, deswegen muss eine Transistorschaltung (Exemplarisch für jede digitale Schaltung) realisiert werden.

Mal sehen, welche Ideen die SchülerInnen nach ihrer ersten Hausaufgabe (“Recherchiert interessante/lustige/spannende Raspi-Projekte!“) mitbringen, ob und wofür sie sich begeistern können.

Haben Sie noch Ideen zum Projektstart?

 

 

In eigener Sache…

Die Entstehung dieses Blogs

Vor rund zwei Jahren erschien der erste Beitrag auf diesem Blog, das am Abend einer Tagung von niedersächsischen medienpädagogischen Beratern geboren wurde. Die Frage war, wie man Gedanken zu Themen rund um Linux, Open Source und Creative Commons außerhalb der beruflichen Plattformen veröffentlichen könnte. Zunächst war es mehr ein Ausprobieren der WordPress-Software, die schon im damaligen Entwicklungsstand zum benutzerfreundlichen Veröffentlichen einlud.

‘Der Mann mit dem Ubuntu-Shirt’

In der Arbeit als medienpägogischer Berater ist man fast zwangsläufig mit vielen Fragestellungen im Themenfeld Freie Software und Freies Wissen konfrontiert, und Weiterlesen

Der Support von XP läuft aus – Was können Schulen tun?

Windows XP hat immer noch einen Marktanteil von rund 40% (Quelle: ZDNet). Das betrifft auch die Schulen, die  Anfang der 2000er Jahre ihren IT-Bereich durch Projekte wie ‘Schulen ans Netz’ (siehe Wikipedia) erheblich aufstockten und seitdem ihre Windows-XP-Installationen mehr oder weniger pflegen. Im April 2014 beendet die Fa. Microsoft ihren Support für Windows XP. Das heißt nicht, dass sich am 8. April 2014 die Rechner nicht mehr hochfahren lassen. Im IT-Bereich kann ein rund 14 Jahre altes Softwareprodukt aber als Dinosaurier bezeichnet werden, auch wenn das letzte große Update mit dem Service-Pack 3  ‘erst’ 2008 veröffentlicht wurde.

Vorbehalte abbauen – die Zeiten haben sich geändert

Spricht man mit Schul-AdministratorInnen, werden nicht selten drei Kreuze geschlagen, wenn der Begriff ‘Linux‘ fällt. Zunächst ist völlig unklar, woher dieser Vorbehalt kommt, aber vielleicht hängt das ein Stück weit auch mit der Vehemenz zusammen, mit der Linux-Fans für Ihre Produkte werben.  Zudem: Unbelegt, aber einigermaßen augenscheinlich ist, dass Linux-Fans längere Zeit zu den IT-Profis zählten, die häufig mit den Begrenzungen eines Windows-Systems nicht zufrieden waren.

Die Zeiten haben sich radikal geändert: Spätestens seit dem Siegeszug von Ubuntu kann jede/r ein Linux-System extrem einfach ausprobieren (!) und installieren. Und anders als Windows 8 richten sich die Bedienkonzepte der Linux-Desktops gerade an Windows-Umsteiger. Kurz gesagt: Eine empfundene Gängelung  machen Linux-Benutzer in der Regel nicht mit und steigen problemlos (und ohne zusätzliche Lizenzgebühren) auf Alternativen um, häufig reichen wenige Klicks.

linuxmint-desktop

Screenshot Linuxmint 13 Maya: Wo würden Sie klicken, um Programme zu öffnen?

Linux ist schon da!

Und was von den NormalanwenderInnen häufig unbemerkt passiert: Linux zieht mit Macht in den Markt! Innerhalb von weniger als fünf Jahren hat mit Android ein Linux für Mobiltelefone  einen großen Platz eingenommen, und erstmals sinkt die Zahl verkaufter PC-Systeme und wird von der Zahl der Mobilgeräte wie Tablets und Smartphones überstiegen (die man übrigens hervorragend im Unterricht einsetzen kann).

Zudem: Mit Projekten wie dem Raspberry Pi, das standardmäßig mit einer sehr schlanken Linux-Distribution mit dem LXDE-Desktop betrieben wird, können SchülerInnen endlich wieder Computertechnik live erfahren. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann ‘die Kids’ die Erwachsenen in Bezug auf Linux-Kenntnisse rechts überholen.

Wo immer sich viele Möglichkeiten bieten: Ihre SchülerInnen testen sie aus…

Was können Schulen tun?

  • Zu allererst: Öffnen Sie sich! Schmeißen Sie fröhlich Ihre Vorurteile über Bord
  • Probieren Sie Linux aus. Am besten mit SchülerInnen ab Klasse 9: Es gibt an jedem Zeitungskiosk inzwischen sog. Live-CDs, mit denen Sie die Linux-Desktops ohne Veränderung der bestehenden Systeme testen können. Eine Projekt-AG, vielleicht mit Ihrer IT-Fachfrau/Ihrem IT-Fachmann, fahndet nach der coolsten, benutzerfreundlichsten und schnellsten Linux-Distribution (<- Was ist das?)
  • Testen Sie das reiche Softwareangebot gerade für den Bildungsbereich und schauen Sie z.B. in der Softwareverwaltung nach ‘education‘ – man wird schier erschlagen. Viele Standard-Programme werden Sie von den Windows-Systemen bereits kennen (Firefox, VLC, LibreOffice/OpenOffice…), wenn Sie z.B. mit dem niedersächsischen n-stick arbeiten, können Sie sich so gut wie zu Hause fühlen.
  • Stellen Sie die Ergebnisse vor: Präsentieren Sie Vor- und Nachteile der einzelnen Varianten (Distributionen) vor SchülerInnen, KollegInnen, den Eltern.
  • Bemühen Sie sich um professionellen Support, ohne Ihre Supportfirmen zu kündigen. Ein guter Schulsupport öffnet sich für Ihre Anliegen und verkauft Ihnen nicht nur das, was die Firma gerade im Angebot hat! Suchen Sie im Internet nach ‘Linux Support’ in Ihrer Region, nicht selten kann die regionale Linux-User-Gruppe mit Kontakten weiterhelfen.

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Ein (kleiner) Ausschnitt aus dem Software-Angebot unter dem Begriff ‘Bildung’ aus der Softwareverwaltung ‘Synaptic’

Lassen Sie sich nicht frustrieren und seien Sie fair!

Es ist bemerkenswert, dass bei der Verwendung von Windows in die Neuinstallation eines ‘defekten’ Systems, für die Virensuche, Programminstallation, Absicherung usw. unglaublich viel Zeit investiert wird, während bei  kleinen Problemen mit Linux-Systemen häufig das Konzept in Grund und Boden geschimpft wird. Es kann auch anders erfahren werden: Wenn man sich an die Bedienerfreundlichkeit von Linux im Alltag gewöhnt hat, schüttelt man über die komplizierte Bedienung unter Windows z.B. bei der Programminstallation den Kopf. Seien Sie also fair und prüfen Sie die Gründe für eine Fehlfunktion.

LehrerInnen sind keine IT-Profis

Schulen sind sehr konservative Systeme, weil wir uns als LehrerInnen um so vieles kümmern müssen und nicht noch den Kopf haben, mal eben einen IT-Kurs zu besuchen. Aber realistisch: Wieviel Zeit und Geld haben Sie in Ihren Computer oder das IT-System der Schule bisher investiert? Ich behaupte, mit einem Umstieg auf die freien und kostenlosen Linux-Desktop-Systeme müssen Sie erheblich weniger als bisher investieren und auch nicht das nächste Update Ihres Betriebssystems fürchten und zur Not ertragen. Und haben den Kopf etwas freier für die pädagogische und fachliche Arbeit.

Würden Sie den Versuch eines Umstiegs wagen? Kommentieren Sie!

3D-CAD unter Linux mit ‘MEDUSA4 Personal’

Dieses Blog stellt Opensource-Software in den Mittelpunkt. Trotzdem gibt es Situationen, die den Einsatz proprietärer Software nötig machen, weil es selten vorkommt, dass (bisher) kein quelloffenes Programm für den entsprechenden Anwendungsbereich verfügbar ist. Das teilweise fehlende Angebot an einer bestimmten proprietären Software ist eines der Standard-, und, um es direkter zu sagen: Totschlag-Argumente gegen die Nutzung von Linux-Desktops. Es wird häufig nicht gefragt, welche Anwendungsaufgabe eigentlich gelöst werden soll, sondern in den Mittelpunkt rückt, “dass es da ein Programm gibt, das ich vermeintlich kenne und das alle haben“. Dass es für die allermeisten Aufgaben hochwertige Opensource-Alternativen gibt, spricht sich nur sehr langsam herum. Der Bereich CAD/CAM-Software hat allerdings vor allem im Bereich der 3D-Entwicklung noch sehr wenig zu bieten, während die Paketverwaltung (der ‘Programm-Store’ unter Linux) randvoll ist mit sehr guten 2D-Zeichenprogrammen.

Für ein Schulprojekt gab es eine klare Zielsetzung: Nur wegen der Teilnahme an einem Wettbewerb zur Entwicklung eines Formel-Eins-Rennwagenmodells sollte nicht auf die komfortablen Linux-Arbeitsplätze verzichtet werden.

Der Support zu weit weg: CollabCAD

Flag of IndiaDie Suche führte zunächst zu CollabCAD, einerm Programm, das vom indischen National Informatics Center entwickelt und betreut wird. Der Slogan des Instituts lautet: ‘The IT support professionals‘. Nach unseren Erfahrungen antworten wir: “Well, we would like to believe…

Obwohl das Institut diesen Anspruch formuliert, war es zunächst unklar, welche Lizenzbedingungen – auch für uns als Schule – überhaupt gelten. Später erwies sich, dass es nur schwer möglich war, kompetent Auskunft über diverse Fehlermeldungen zu bekommen, die den Programmstart verhinderten. Einen ersichtlichen Grund für die Supportlücke gab es nicht, auffallend war nur, dass es mehrere AnsprechpartnerInnen gab, die jeweils neu eine Fehlerbeschreibung anforderten. Letztlich kümmerte sich offenbar eine Zeit lang niemand mehr um das Anliegen, sodass das Programm nicht genutzt werden konnte.

Mit nur geringem Aufwand: MEDUSA4 Personal von CAD Schroer

Der zweite Anbieter, die Fa. CAD Schroer aus Moers, öffnet(e) die Türen ganz weit für die Nutzung Ihrer 3D-CAD-Software in Schule und Ausbildung auf Linux-Desktop-Systemen: Es gibt für die angebotene Software ‘MEDUSA4 Personal‘ einen eindeutigen Hinweis auf die Nutzung in Schule und Ausbildung: Mit dem Angebot einer einjährigen, auf die MAC-Adresse eines Rechners bezogene Lizenz, die dann erneuert werden muss. Der Lizenzschlüssel kann über eine, nämlich die Mailadresse der Lehrkraft, abgerufen werden. Damit müssen Mailadressen der SchülerInnen nicht weitergegeben werden, selbst wenn SchülerInnen die Software zu Hause nutzen wollten. Zu dem Programm hat CAD Schroer ein Supportforum eingerichtet, das die Nutzergemeinde in den Austausch über die Software (Bedienung, Fehlerbehebung usw.)  miteinbezieht. Damit war eine Fehlermeldung beim Start auch schnell beseitigt.

Oh je, die Konsole?

Erfahrungsgemäß scheitern Lehrkräfte nicht selten an einer einfachen Programmbedienung, die nicht einem exakt gleichen Schema folgt sind SchülerInnen extrem flexibel, wenn es darum geht, ein Problem zu lösen. Dass der Programmstarter ‘irgendwie’ nicht funktionierte, und die SchülerInnen stattdessen mit Administratorrechten (das ‘sudo‘) in der Konsole das Programm öffnen mussten, war nur einen Moment lang eine Hürde. Dass dann auch noch entdeckt wurde, dass sich die Konsole an die letzten Befehle durch die Pfeiltasten ‘erinnert’, ergab in der dritten Stunde einen schönen Workflow: Rechner hochfahren, Browser starten und das (Schul-)Mailkonto checken, die Konsole und MEDUSA4 Personal starten. Wenn alles so einfach wäre.

konsolenstart medusa4personal

Ein Stück Realität

Der Vollständigkeit halber soll hier erwähnt werden, dass das Projekt aus organisatorischen Gründen leider keinen Abschluss fand :-(

Fazit

Ein kurzes, auch pädagogisches Fazit:

  • Die Software MEDUSA4 erscheint sehr hochwertig, und trotz der Komplexität noch verhältnismäßig intuitiv zu bedienen.
  • Das Programm bietet sich für die Klassenstufe 9, besser noch 10 an. In der Oberstufe sollten SchülerInnen Aufgaben allein mit den Tutorials (s.u.) bewältigen können.
  • Ein möglicher Unterrichts- oder Projekteinstieg in der SI ist das Erstellen einer 2D-Zeichnung z.B. mit LibreCAD, die dann unter MEDUSA4 Personal in 3D umgewandelt werden kann.
  • Youtube-Tutorials auf dem Channel von CAD Schroer bieten teilweise hervorragende Anleitungen, die gut nachvollziehbar sind.

CAD Schroer Youtube Channel

Kennen Sie das Programm, haben Sie es (unter Linux) in Schule oder Ausbildung eingesetzt? Gibt es eine vergleichbare, quelloffene Software?

Nutzen Sie die Kommentarfunktion.

Die einfache Nutzung von Medien-Dateien aus der Wikipedia in der Schule

Um Arbeitsblätter, Präsentationen oder die Schulhomepage attraktiv zu gestalten, nutzen fast alle LehrerInnen Multimedia-Inhalte wie Bilder, Videos oder Klangdateien/Musik aus dem Internet. Es gibt ‘Graubereiche’ des Urheberrechts, die die Verwendung dieser Medien erlauben, zum Beispiel im engen Raum des Unterrichts.
Dass ein Verstoß gegen das Urheberrecht nicht banal ist und Menschen mit diesen Verstößen offenbar gutes Geld verdienen, macht dieser Bericht über ‘Marions Kochbuch’ deutlich:

Sichere Alternative: Multimedia-Inhalte der Wikipedia!

Die Inhalte – Texte und Multimediadateien -  der Wikipedia stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz. Diese Lizenzen beinhalten die Nutzungsbeschreibung unter bestimmten Bedingungen, die hier erklärt sind.

Zu vielen Wikipedia-Artikeln existieren bereits Multimedia-Dateien, die am unteren Ende unter ‘Weblinks -> Commons’ zu finden sind:

Hat man eine brauchbare Datei gefunden (hier ein Bild eines Fragezeichens), ist im oberen Bereich eine Leiste mit verschiedenen Auswahlmöglichkeiten zu sehen:

Neben dem Download kann man die Option ‘Einbinden’ auswählen, die für alle Zwecke die Lizenzangaben zum Kopieren und Einfügen anbietet:


Damit ist man auf der sicheren Seite, wenn Medien z.B. auf der (Schul-)Homepage präsentiert werden.

Eine offene Frage ist, wo auf der Schulhomepage diese Angaben ihren Ort finden. Neben der Möglichkeit, die Lizenz unter das Bild zu schreiben, kann man auch eine sog. ‘Mouseover’-Funktion einfügen, d.h., die Lizenz wird beim Überfahren des Bildes mit der Maus angezeigt. Ich sammle die Lizenzangaben im Impressum unter einem Extrapunkt ‘Bildrechte’.

EDIT: Aus medienpädagogischer Sicht ist es sehr sinnvoll, diese Hinweise unbedingt auch mit SchülerInnen zu erarbeiten und sie für das Thema Urheberrecht zu sensibilisieren. Referate und Präsentationen sollten dann immer den Hinweis auf die Quelle der Medien enthalten.

Haben Sie Anmerkungen dazu oder weitere Ideen?

Linux ist dröge, schwierig, anwenderunfreundlich und unsexy.

Manchmal braucht es eine Weile, bis einem die Augen geöffnet werden: Dann aber kommt die Erkenntnis mit Macht. So ging es mir, als ich ein Video auf Youtube fand: Why Linux sucks (etwa: Warum Linux so ätzend ist)! Endlich, möchte ich sagen!

Und hier nochmal meine Zusammenfassung im deutschen Klartext:

  • Keiner benutzt Linux und die meisten wissen, warum.
  • Es ist dröge: Es hat keine Kacheln, kein richtiges Dock, kein Aero-Design – nur diesen komischen Pinguin mit Gänsefüßen.
  • Es ist schwierig: Jeder Versuch, Linux zu installieren, muss in der Katastrophe enden. Seit Jahren gibt es grafische Benutzeroberflächen, nur bei Linux muss man Texte in einer Konsole eingeben.
  • Es ist anwenderunfreundlich: Bei den tollen großen Betriebssystemen ist ein Update ruckzuck gemacht, man lädt die Updates für die Programme herunter und schon ist alles wie neu!
  • Linux ist extrem unsexy: Das fängt bei den Typen an, die das benutzen (meistens Kerle, die blass und übergewichtig sind) und hört nicht auf bei den gruseligen Bedienoberflächen von den vielen Desktops, von denen einer langweiliger als der andere ist.

Wie man so sagt…

Was sagen Schülerinnen und Schüler, wenn sie die Lehrkraft ‘so richtig herbe genatzt haben‘: “Schpasss, Alter!

Jau, und in diesem Sinne darf ich den Youtube-Kanal von Nixie Pixel vorstellen, die mit coolem Intro, einer kessen Lippe (so sagte man früher…), enormem Fachwissen, Charme und last but not least einem ansprechendem Äußeren Themen zu Linux und OpenSource präsentiert, dass man auf den höflichen Spruch von oben nur antworten kann:

Die Frau disst Dich so, dass Dein Standard-OS mit den kaputten Fenstern und Kacheln oder dem angefressenem Apfel aussieht wie’n digitales Kinderdreirad

Enjoy:

P.S.: Zum Video ‘Why Linux Sucks‘ gibt auch noch den zweiten Teil ‘Why Linux Does Not Suck‘, der die Dinge richtig stellt ;-)…